Calexico auf  Tour 2007 bis 2012


18.11.2012

Fotos Blind Pilot & Calexico


Website Blind Pilot
Blind Pilot sind:
Israel Nebeker: vocals,
guitar
Ryan Dobrowski: drums,
percussion
Luke Ydstie: Bass
Kati Claborn – banjo, mountain dulcimer,
ukelele

Calexico sind:
Joey Burns - Gitarre, Lead Vocal
John Convertino - Drums
Martin Wenk - Trompete, Gitarre, Vibes, Keys &  Vocals
Jacob Valenzuela - Trompete, Vibes, Keys & Vocals
Sergio Mendoza - Keys
Ryan Alfred - Bass
Jairo Zavala - Gitarren, Vocals


Algiers Tour live in Wiesbaden, Schlachthof mit Blind Pilot

Link zur Setlist Wiesbaden plus Videos

Mit Ostseeadrenalin
Wie immer an dieser Stelle mein Dank an Haus- und Hofschreiberin Christel

Calexico ist für mich im Moment die angesagteste meiner Musikleidenschaften. Ihr neues Album Algiers wird kaum kalt in meinem Player. Noch weniger das berauschend schöne Beipack Spiritoso. Nix geht drüber. Da könnte ich drin baden! Es geht zu fast jeder Tages- und Nachtzeit. Es fährt morgens in kürzester Zeit die Systeme hoch und coolt abends die Systeme wieder runter. Deshalb freue ich mich riesig, dass die Calexico-Buben nach der Darmstadt-Centralstation im September nun ins Hessische Hauptstädtchen kommen. Wie so vielen Schlachthöfe hat auch dem Wiesbadener der Zahn der Zeit den Wandel zu einem Kulturzentrum beschert. Die post-tote-Tier Ära widmet sich nun dem prallen Leben. Diese Halle wurde gerade gestern erst eingeweiht. Man sieht es ihr an, alles neu und schick und irgendwie jungfräulich.

Calexico kommen just vom Rolling-Stone-Weekender am Weißenhäuser Strand, wo sie einen grandiosen Gig abgeliefert haben. Ein bisschen müde, grinst Martin, sonst alles gut. Derart gutes Adrenalin war schon immer verheißungsvoll!

Ein elektrisierendes Hochgefühl nimmt Besitz von mir, als um kurz nach neun Jacob und Martin den ersten Trompetenalarm abfeuern. Halleluja! I touch your face and you close your eyes singt Joey gerade und tut es. Auf der Bühne ist die Atmosphäre gerade um ein vielfaches dichter als im Rest der Welt. Schaulaufen für Nimmersatte, Ewighungrige, Musikstoned-Dauergeflashte. Meine Augen kleben momentan an John Convertino wie er seine Drums bearbeitet, die Becken touchiert, einen flüchtigen Ticker setzt, wahrlich ein Gentleman- und Feingeistdrummer und ein herrlicher Nervenkitzler. Auf der anderen Bühnenseite ist ja noch Jairo „Depedro“, mit Jacob und Martin auch für den Gitarrenalarm und nicht zu vergessen, Gesang, zuständig, Akkordeon und allerlei Geraffel, was dieses besondere Klangbilderlebnis Calexico ausmacht. In der Bühnenmitte das Mastermind Joey, die Lichtgestalt. Dahinter ist der neue Mann an den Tasten platziert und daneben der Neue am Bass. Die beiden haben sich nahtlos eingefunden im Calexico-Biotop. Joey ist die große Sonne um die sich alles dreht und wirft doch keinen Schatten. Im Gegenteil lässt er seinen Jungs großzügig Freilauf, den sie mit größten Vergnügen auskosten, es gibt keinen Moment oberflächliches Dahingeplänkel, es ist Masse und Klasse, Tiefgang und Höhenflug, gleichzeitig mächtig und leichtgewichtig, ein ständiges Instrumentenkarussell und keine Sekunde überladen; in einer Hand die bunten Maracas, in der anderen die Trompete, Guero Canelo und es braucht dann noch Luft für die Vocals. Und dann schnell hinter den Röhrentisch. Wenn sich sieben Heißblutmusiker selbst bespaßen, fällt auch jede Menge für unsereinen ab. Trigger, Epic, Two Silver Trees, The News about William, Corona und und und und... fffffeeettttt. Beim ersten Anhören von Algiers erstaunte mich diese füllige Ruhe und jetzt kommen diese Stücke unglaublich lebendig und aufregend von der Bühne, livehaftig ist doch noch mal ne ganz andere Welt. Wann immer sphärische Soundfarben aus der Xylophonecke hervorquillen, schneidende Gitarrenriffs die Luft teilen, ein dumpf-treibener Bass den Wüstenstaub aufwirbelt, Akkorde und üppige Melodien mit Rhythmen die Halle füllen, Trompetenstöße eine Ahnung von mexikanischer Fiesta aufkommen lassen und Drumglitzer alles das krönen, saufe ich mit Haut und Haaren ab und komme frühestens kurz nach Ultimo wieder an die Luft.

Calexico haben einen guten Lauf derzeit und spielen jedes Mal aufs Neue auf dieser gigantischen Algiers-Welle sich und die Welt verrückt. Gegen Ende kommen Blind Pilot wieder hinzu. Miss Ohio ist eine tolle Nummer und so wird es noch ein bisschen reicher, wärmer, wohler, fetter, größer, das geht unglaublich gut zusammen und krönt ein tolles Konzert nach gefühlt natürlich viel zu kurzer Zeit. Mit diesem Wohlgefühl in die nass-kalt-graue Nacht, bbbbäääääää!

Christel Amberg-Wiegand für www.erlebtemusik.de


10.09.2010

Fotos Amparo Sànchez

Fotos Calexico

 

Amparo Sànchez:
Amparo Sànchez - Vocals, Gitarre
Kaki Arkarazo - Gitarre
Jordi Mestres - Bass
Oscar Ferret - Piano
José Alberto Varona - Trompete
Cari Rosi Varona - Cello
Carlos Falanga - Drums
 

 

 

Calexico sind:
Joey Burns - Gitarre, Lead Vocal
John Convertino - Drums
Martin Wenk - Trompete, Gitarre, Vibes, Keys &  Vocals
Jacob Valenzuela - Trompete, Vibes, Keys & Vocals
Paul Niehaus - Pedal Steel, Gitarre
Volker Zander - Bass

Setlist:
01 Bisbee Blue
02 Roka (Amparo and Rob)
03 Bend To The Road
04 Across The Wire
05 Man Made Lake
06 News About William
07 Two Silver Trees
08 Minas de Cobre
09 Inspiracion (Amparo)
10 Not Even Stevie Nicks
11 Victor Jara‘s Hands
12 Black heart
13 Alone Again Or
14 Crystal Frontier

 


Calexico, Amparo Sànchez und Iron & Wine am 3Sat Zeltfestival in Mainz

Amparo Sànchez

 

John Convertino Joey Burns und John Convertino

11.08.2009

Die Fotos

Calexico sind:
Joey Burns - Gitarre, Lead Vocal
John Convertino - Drums
Martin Wenk - Trompete, Gitarre, Vibes, Keys &  Vocals
Jacob Valenzuela - Trompete, Vibes, Keys & Vocals
Paul Niehaus - Pedal Steel, Gitarre
Volker Zander - Bass

Jairo „Depedro“ Zavala - Gitarren, vocals

Joey Burns

01. Roka
02. Across the Wire
03. Jesus & Tequila
04. Bend to the Road
05. Sunken Waltz
06. Minas de Cobre
07. Inspiracion
08. Crystal Frontier
09. Two Silver Trees
10. Red Blooms
11. El Gatillo
12. Victor Jara’s Hands
13. Man Made Lake
14. Alone Again Or
15. Fractured Air
16. Close Behind (instrumental)
17. Letter to Bowie Knife
18. Corona
19. Writer’s Minor Holiday
20. All Systems Red

Martin Wenk & Jacob Valenzuela

Jairo Zavala & Joey Burns

John Convertino

 


Wer zu spät kommt…
von Christel Amberg-Wiegand

... den bestraft das Leben und so werden sich etliche Spätkommer geärgert haben, doch wer 30 Min. früher beginnt, hat hinten raus Zeit. Das erweist sich als cleverer Schachzug – sonst wären sie am Ende womöglich schwer ausgebremst worden, der Mörtel und die Steine hätten ein paar Risse weniger. Das warm-up mit Depedro ist ein warm-up für die Band. Joey, Jacob, Paul, John… auf einmal ist fast ganz Calexico on stage und liefert einen etwas anderen aber dann doch calexico-typischen Sound. Endlich mal ne „Mogelpackung“, wo mehr drin ist. Depedro mit Calexico und Calexico mit Depedro ist ein und die selbe Gleichung. Mein erstes Mal hier im Serenadenhof. Es ist noch viel Zeit bis Showtime – wir wollen sie nutzen für das NS-Dokumentationszentrum. Ist es diese gigantische Größe der Kongresshalle, die Macht der Bilder und der lebendigen Worte und das beklemmende Thema an sich – alles zusammen ist fast to much, mir ist ganz flau, ich muss hier raus an die Luft, es erdrückt mich. Langsam geht’s besser, dann rein in den schönen Innenhof, die Wiedersehensfreude und alles drumherum vertreiben die düstere Stimmung aus Kopf und Bauch. Und zwar gründlich.

Blitzstart mit Roka und Across the Wire, Calexico und das Publikum sind von der ersten Sekunde eine Einheit. Der gefühlte heißeste Punkt der Erde ist heute genau hier, der Serenadenhof Nürnberg brodelt sich ein. Fantasiebilder formen sich vor weißlichtgreller Sonne, die Luft vibriert, flimmert, flirrt, alles ein bisschen unwirklich irgendwie, das Adrenalin pulst im Rhythmus der Musik durch die Adern, zerbröselt Arterienverkalkungen und macht so wunderbar das Hirn frei. Calexico – das ist eine unbändige Energie, ein ständige Bewegung, ein treibendes Vorwärts, wo sich jeder von ihnen in eine endlose Freiheit stürmt, die von Rhythmus, Melodie, Stimme, Feeling gelenkt und gehalten wird und sich in einem Klangorkan überschlägt. Es ist diese umwerfende Direktheit, diese Unmittelbarkeit dieses orgiastischen Musikuniversiums vieler Musikstile, die mich hypnotisiert und überrollt.

Eine stoische Abfolge von Tönen, darüber die schneidende Trompete und irgendwo darunter eine breite Schweineorgel, was für eine Mischung, das ist Jesus & Tequila, Drunken Walz ist schmutzig und von einer Melancholie durchzogen, von wahrem Leben gelebt, nicht dieser feine Gesellschafts-Tanzreigen, Himmel, es endet in einem wilden Durcheinander im Kopf, der kaum noch die Spur halten kann. So langsam zieht es mich immer tiefer in diesen Hexenkessel, der Boden unter den Füßen ist mir längst weggedriftet, ich höre einen Zug von links nach rechts dampfen, Wirklichkeit?, nein Minas de Cobre, tief, tiefer hinein. Drei Stromgitarren machen ordentlich Alarm, es clustert sich auf zu einem unfassbaren Sounderlebnis, ein kaum zu packendes Klangvolumen, denn da sind ja noch diese betörenden glasklaren Mariachis, Pauls Steelguitar, die in mir mit diesen metallisch heißen Tönen ganz andere als Country-Assoziationen aufkommen lässt, Volkers satt warmer Grundbass und vor allem dieser Van Gogh aller Drummer! John Convertino lässt Kleines groß werden und verdichtet das Große aufs Kleinstmögliche, malt große Bilder mit kleinsten Geräuschen und lässt es krachen wie Donnergrollen. Wenn diese Band im Laufen ist gibt’s kein Halten! Wild, frei, unberechenbar, geheimnisvoll… was noch? … eigentlich unbeschreibbar. Kleine Melodien werden dicht und dichter, treiben dahin, blähen sich auf, fallen zusammen und lösen sich irgendwann im Nichts auf. Wie eine Achterbahn geht es mal in grenzlose Höhen und im nächsten Moment in eine tiefe heiße Hölle. Dabei ist es hilfreich, wenn man locker in Knie und Hüften ist, das hier ist nix für Bewegungsmuffel und leidenschaftslose Hörpuristen, hier ist Leben, Live, Lust, Freude zu hören und zu sehen. Außerdem fühlt es sich verdammt gut an, die Töne im Magen zu spüren, auf der Haut kleben, in den Haaren, in den Ohren wie heißer Sand. Da fließt Schweiß, da wirbelt Staub, da flimmert Sonne, ein Hörerlebnis, verdammt packend und absolut, es ist eine kleine Weltreise einem irrealen Horizont entgegen. Joey gibt dem Ganzen eine Stimme, eine Seele. Sie hat manchmal so etwas Zerbrechliches, Leichtes, ist seltsam entrückt und hat doch Stärke. Er ist ein Frontmann wie er leibt und lebt.

Als hätten sie nicht schon genug Zunder gelegt, als hätten sie bis jetzt Slomo gefahren, fahren sie noch zwei stramme Zugabenblöcke mit Close Behind, Letter to Bowie Knife, Corona und Writer’s Minor Holiday und zu guter Letzt natürlich All Systems Red. Funken sprühen, da explodiert förmlich das Universum, um im nächsten Moment krachend und bleiern in der Luft zu ersticken. Ein würdiges und absolut passendes End of Showtime! Danach geht nur noch Notaus, Tilt, Hirnvakuum, Timeout, bis irgendwann später die Welt so gaaanz langsam wieder zu mir zurückkehrt. Calexico haben mich gut zweieinhalb Stunden auf links gedreht. Mir ist wie mit geschlossenen Augen, die Arme zu Flügeln ausgebreitet, im Kreis drehen bis ich falle… falle… falle. Wo ist der Knopf für die Drehtür zur Welt?


15.07.2009

Die Fotos

Calexico sind:
Joey Burns - Gitarre, Lead Vocal
John Convertino - Drums
Martin Wenk - Trompete, Gutarre, Vibes, Keys &  Vocals
Jacob Valenzuela - Trompete, Vibes, Keys & Vocals
Paul Niehaus - Pedal Steel, Gitarre
Volker Zander - Bass

Jairo „Depedro“ Zavala - Gitarren, vocals
Chris Cacavas - Keys

Die Setlist

01. Ghostwriter (with John Convertino, Chris Cacavas and Joey Burns)
02. El Gatillo
03. Roka
04. Black Light
05. House of Valparaiso
06. Sunken Waltz
07. Minas de Cobre
08. Inspiracion
09. Crystal Frontier
10. Man made Lake
11. The News About William
12. Not Even Stevie Nicks…
13. Victor Jara’s Hands
14. Two Silver Trees
15. Dub Latina
16. Letter To Bowie Knife
17. Alone Again Or
18. Fractured Air
19. Guero Canelo
20. Writer’s Minor Holiday
21. In The Reins
22. El Burro Song
23. Red Blooms

 


Da war es wieder ...

dieses unbeschreibliche, undefinierbare Live - Konzertgefühl - fast genau auf den Tag 2 Jahre zuvor hatte ich das an genau demselben Ort auch schon so empfunden. Auch damals wars voll und heiss und trotzdem fühlte man sich irgendwie leicht und luftig! Sie lassen einen ganz unwillkürlich mittanzen, diese aussergewöhnlichen Musiker der Extraklasse mit ihrem hinreissend schönen Live Set. Und noch immer gelingt es mir schlecht das zu beschreiben - aber dazu gibt es diesen wunderbaren Artikel im Darmstädter Echo - der trifft es auf den Punkt - absolut!! Ich kann dazu nur noch die Bilder liefern....
Grossen Dank an Dr.  Stephan  Görisch vom Darmstädter Echo, der uns diesen Artikel freundlicherweise zur ausschliesslich privaten Nutzung Überlassen hat!

Und Dank an Christel für ihre Gedanken zum Konzert!

Licht Ton Strom

alles dazu notwendige Bühnengeraffel wandert schlussendlich in diese Transportboxen, nur das gefühlte Gefühl, die erlebte Musik, die Stimmung und die Atmosphäre bleiben zurück. Oder um es mit Frau Dr. 013 zu sagen: WAS für ein geiler Abend! Nach dem viel später als erwartetem Ende des Konzerts bleibt so eine Ohnmacht zurück. Die Magie der Musik hängt noch in den Mauern und mir in den Knochen und ich möchte eigentlich noch gar nicht raus in die Stadtluft zum abchillen. Diese Musik ist für mich schwer in Worte zu fassen. Sie ist so völlig anders. Calexico bringen eine ungeheure Energie mit und Hitze – im echten wie im übertragenen Sinn. Ich hoffte, die Centralstation würde klimatisiert sein, dass es ein heißer Abend werden würde, war eh klar. Im Nachhinein betrachtet, würde etwas gefehlt haben…. Wahrscheinlich war der Wunsch Vater des Gedanken und abgesehen davon wäre jede Klimm sowieso kollabiert. Ist auch egal, man ist nur einmal nass und das schon nach knapp 10 Minuten des Vorprogramms. Aaah – ER also ist „Depedro“. Der junge tolle  Musiker, der mir im vorigen Jahr im Mousonturm schon aufgefallen war und den Calexico an jenem Abend mit großem Bühnenzauber mit einem goldenen Helm als Geschenk verabschiedet hatten…. Heute ist er der Support-Act (wer supportet da wen?) und als seine Band kommen nicht Geringere als abwechselnd einige Calexico-Bandmitglieder auf die Bühne. Jacob…, Martin… und John. Er spielt und singt spanisch, ich verstehe natürlich nichts an Worten und kann mich daher völlig der Musik ergeben. Eine kurzweilige halbe Stunde tolle mitreißende Musik, mal locker flockig, mal melancholisch mit dem spanischen Blues, den er seiner Gitarre so ganz anders spielend als unsereiner es üblicherweise sieht, entlockt, und mit einer warmen vollen Stimme voller Süden. Die fünfzehnminütige Pause ist sicher nur pro forma, denn Bühnenumbau findet nicht statt. Jetzt kommen Calexico auf die Bühne – eben mit Depedro als „Gast“. Das Volk tobt sich ein - surprise surprise, so verschmelzen zwei Acts zu einem. Ziemlich gute Idee ist das – am Ende kurz vor Mitternacht sind es dann gute zweieinhalb Stunden Spielzeit.

Frau Dr. 014 sagt das übrigens auch: WAS für ein geiler Abend! Begeisternd, fantastisch, großartig, hervorragend – und erregend, hungrig, lustvoll und some kind of erotisch. Jedenfalls empfinde ich diese Musik so. Wie durch ein Fegefeuer der lateinamerikanischen Klang- und Rhythmuswelten, unterbrochen und/oder scheinbar frei von irgendwelchen Regeln aufgemischt mit Rock und Blues und Walzer und was weiß ich noch alles. Lateinamerikanisch nicht als dieses steril abgehobene Oberklassenmarionettentheater eines Tanzwettbewerbs, sondern erdig staubig von den Straßen mitten aus’m Land und von ganz normalen Menschen. Die rappelvolle Centralstation verwandelt sich in kürzester Zeit in eine tanzende Menschenmenge von feiernden Hessen auf einem ausgelassenen südamerikanischen Fest. Da stehen acht Herzblutmusiker (davon zwei waschechte Hessen) auf der Bühne und jeder, außer John Convertino, der für mich maßgeblich für den unverwechselbaren Calexico-Sound verantwortlich ist und Volker Zander mit dem E- und Kontrabass, er spielt die dicken Saiten knochentrocken, ist reihum mal an den Tasten, an den Vibes oder diversen Gitarren oder Akkordeon zu erleben. Das finde ich absolut klasse. Das ist hand- herz- und hirngemachte Musik auf echten Instrumenten. Es macht riesig Spaß, dieses Treiben zu beobachten, da passiert etwas auf der Bühne, auch jenseits der Musik, diese ungeheure Lebendigkeit und diese Leidenschaft ist nicht nur hörbar, sondern sichtbar. Für mich gehört das unbedingt zum Liveerlebnis Musik. Herr Niehaus sieht aus wie ein Buchhalter, aber wehe er betreibt die dritte Stromgitarre (wenn er nicht gerade die Horizontalversion Pedal Steel betreibt), dann wird der Sound noch ein bisschen fetter und gitarrenschwerer. Mal entlädt sich ein tonnenschweres Gewitter oder ein Regen, der alles noch drückender macht, mal ist es wie ein unendlicher Sternenhimmel, wie eine Siesta oder eine ausgelassene Fiesta. Dem Tonmann zolle ich höchsten Respekt, alles, die verschleierten Töne der Vibes und sogar die Klanghölzer, nichts geht unter.

Sie spielen mich schwindelig und drunterunddrüber, drehen mich auf links und in eine Illusion von schwerer schwüler Luft und ausgemergelter Landschaft irgendwo auf diesem Planeten wo ich noch nie war. Es gibt wieder mehr Trompeten als in meinen früheren Konzerten, Jacob und Martin stürmen geradewegs in die heißeste Hölle, glasklar, messerscharf jagen sie die Töne durch Mark und Knochen. Manchmal bleiben sie irgendwo oben hängen wie ein Feuerball am Himmel, bevor er erlischt. Das sind diese magischen Momente. Augen zu und tief hinein! Die Art, wie John Convertino das Schlagzeug betreibt, ist beinahe hypnotisierend. Er streichelt seine Felle, klöppelt mal hier und da wie fast zufällig über Becken und Töpfe, ein Tupfer hier, ein Wischer dort, und hält unter allem diesen kaum mitklatschbaren Takt (die liegen uns einfach nicht so im Blut) und das alles klingt unglaublich locker und leicht, unbeschwert und seltsam losgelöst über allem schwebend. Ich könnte ihm stundenlang zusehen. Genau wie Joey, er bewegt sich so ganz anders mit der Gitarre, seine Stimme vermittelt immer dieses Gefühl von Leid und Lust und manchmal Düsterkeit. Er hebt immer wieder jeden der Band hervor, nur er selbst nimmt sich nicht so wichtig, so scheint es. Dieser Klang von Calexico ist einzigartig, er fesselt mich und zieht mich immer weiter tief hinein wie in Klangwelten, die ich sonst nicht pflege. Er macht süchtig! Und diese gigantische Version heute abend von Stevie Nicks hab ich auf ewig archiviert, damit haben sie mich an diesem Abend willenlos gespielt. Roka und die Calexico-eigene Version von Alone Again Or… Von der neuen Scheibe Victor Jara’s Hands und The News About William waren im Programm.... Wenn der Sommer schon nicht in unseren Breitengraden stattfindet, dann projizieren Calexico wenigstens eine Ahnung davon. Im Kopf ein Bild wie von ein einer Fata Morgana, mit ner fetten Caipi entspannt, aber vom Tag überhitzt über flirrendem Sand am Horizont die heiße Sonne untergehen sehen. Ein Gefühl von entrückt sein, der Kopf ist angenehm leer, der Puls hat sich längst diesem Rhythmus angeglichen, die Füße tanzen, die Beine werden schwerer und trotzdem macht sich eine wohlige Leichtigkeit in mir breit, die weit bis über die Nacht hinaus anhält. Das Gefühl verlangt nach Wiederholung, unbedingt wieder haben wollen! Und bis es soweit ist in Nürnberg im Serenadenhof werde ich mich immer wieder mal in die Centralstation zurückdenken.

Christel Amberg-Wiegand für www.erlebtemusik.com


11.07.2007

Die Fotos

Die Setlist

Calexico sind:

Joey Burns - Gitarre, Lead Vocal
John Convertino - Drums
Martin Wenk - Trompete, Gutarre, Vibes, Keys &  Vocals
Jacob Valenzuela - Trompete, Vibes, Keys & Vocals
Paul Niehaus - Pedal Steel, Gitarre
Volker Zander - Bass

 

 

 


Calexico in der Centralstation Darmstadt

Neugierig geworden waren wir auf Calexico durch das musiklaische Multitalent Martin Wenk, der uns schon bei Stephan Eicher absolut überzeugt und begeistert hat. Also war es angebracht ihn endlich mal in seiner Stammformation zu sehen.
Und was soll ich sagen? Absolut mitreissend dieses Konzert - mein erstes aber ganz sicher nicht mein letztes! Hier werden wir ganz sicher zum Wiederholungstätern!

Wie immer überlasse ich das Schreiben gerne Christel :

Ein ganz und gar nicht ungastlicher Wüstentrip

Wenn nicht Musiker gern vielerlei Betätigungsfelder hätten, wäre uns dieser Kunstgenuss vielleicht versagt geblieben. Hätt’ der Hund nicht…. hätt’ er den Hasen… Hätte, wäre, könnte ist alles Konjunktiv, so isses nun mal nicht. Tatsache ist, dass Martin Wenk sich bei Stephan Eicher eingemischt und für höllisch guten Budenzauber gesorgt hat und uns neugierig auf sein musikalisches Homeland.

Ein Trip im grenzenlosen Musikkosmos über den großen Teich, dahin wo’s heiß ist und ein ganz ganz bitteres amarican way of life stattfindet. Ins mexikanische Grenzgebiet, förmlich in die Wüste geschickt. Jedenfalls bemühen Print- und Onlinemedien einen Wortschatz aus diesem Umfeld, um die Musik von Calexico zu beschreiben. Das ist schwer genug und ich kann nicht mehr als ebenso scheitern. Es passt schon irgendwie und gibt ein bisschen Orientierung beim Schubladendenken. Man muss es einfach mit Haut und Haaren erleben, bis alles an einem klebt, mitfühlen und eintauchen in den Sonnenuntergang am flirrenden Horizont. Dann beschreibt sie sich am besten selbst. Das Gefühl von Hitze, Staub, endlosem Nichts, staubiger trockener Kehle, die mit Tequila und Corona befeuchtet werden will, stellt sich ganz von selbst ein. So also rockt die Wüste.

Die Konzertpremiere vor dieser gigantischen Kulisse der R(h)einkultur in Bonn war absolut überzeugend! Das war die Vorspeise, das komplette Menü hab ich mir in der Centralstation auftafeln lassen. Da gibt’s mal nix, Musik zum Mitmachen, Bewegen, wer da still stehen kann ist entweder tot oder taub. PolkaSambaRumbaTexMex-Sound, ein extrem tanzbarer Mix aus Folk-Rock mit jeder Menge heimatrockiger Quereinschläge ganz hervorragend aufgemischt und noch dazu alle Positionen absolut spitzenmäßig besetzt. So ein treibender Kontrabass prägt ganz anders als ein E-Bass, der Gitarrensound ist durch die Steelguitar schon ganz markant, und zusammen mit Joey Burns’ Saitensprüngen braut es sich zu einem trocken heißen Wüstensturm zusammen. Und außerdem hat er ne tolle Stimme! Dazu liefern Jacob und Martin die passende Mariachi-Stimmung bzw. die sirrenden Töne aus seinem Röhrentablett oder dem Synth, John Convertino an den Drums zuzusehen ist ne Sensation und Augenweide, von der Spielfreude, die ganz automatisch über die Bühne bläst, mal ganz abgesehen. Die Mischung macht’s: rockig, bass- und gitarrenlastig, toll ausgetüftelter Sound, Stil-, Rhythmus-, Stimmung der Songs wechseln ständig. Across the Wire hab ich in bester Erinnerung und natürlich Not even Stevie Nicks und eine ganz aufregende Version eines Hits von vor langer langer Zeit, es fällt mir auch während dessen nicht ein, weil der Kopf nicht schizophren genug ist, auf jeden Fall das einzige Stück das ich kenne und ich bin ganz hin und weg darüber. Eine Musik, die sich für mich unbedingt am Liveset entfalten muss, nicht zwingend für den Player, und deshalb ist es garantiert nicht der letzte Wüstentrip.

Christel Amberg-Wiegand für www.erlebtemusik.com